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Debatte zum Rotwild im Erzgebirge

Immer wieder erheben einzelne Akteure zum Teil harte Vorwürfe gegen die Jagdpraxis von Sachsenforst. Dabei geht es um Abschusspläne für das Rotwild im Erzgebirge, aber auch erneut um Schälschäden und Rotwilddichten bis hin zu der Behauptung, Sachsenforst verstoße gegen den Tierschutz. Im Folgenden finden Sie Antworten von Sachsenforst auf häufig gestellte Fragen zur aktuellen Rotwilddebatte.

Rotwild fasziniert Menschen und ganz besonders Jäger. Die Tiere sind eindrucksvolle Erscheinungen. In Sachsen sind es die größten freilebenden Wildtiere. Rotwild bietet natürlich auch einen ganz besonderen Reiz als Jagdbeute.

Die Aufgabe von Sachsenforst ist es, den Wald im Erzgebirge für zukünftige Generationen in stabile Mischbestände umzubauen. Dafür müssen im Erzgebirge vor allem junge Tannen und Buchen gepflanzt werden. In Teilen der Forstreviere im Staatswald sind aber nach wie vor hohe Verbiss- und Schälschäden an jungen Waldbäumen zu beobachten.

Rotwild gehört zum Erzgebirge. Wildbestände müssen aber eine vernünftige Höhe haben, sodass sich der Wald verjüngen kann, ohne dass jeder einzelne junge Baum aufwendig durch die Waldbesitzer geschützt werden muss oder im Staatswald Pflanzungen für viele Jahre für teures Steuergeld eingezäunt werden müssen. Der entscheidende Faktor für die Intensität der Verbiss- und Schälschäden ist zuerst die Größe der Rotwildpopulation. 

Die massiv vorgetragene Kritik an Sachsenforst speist sich vor allem aus wenigen privaten Jagdbezirken und deren Vertreter. Dass einzelne Jäger für ihr persönliches Jagderlebnis ein besonderes Interesse an hohen Rotwildbeständen haben und ihnen dabei Schäden im Wald ihrer Nachbarn egal sind, ist leider eine festzustellende Beobachtung in Vergangenheit, Gegenwart und wahrscheinlich auch in der Zukunft. Der Freistaat Sachsen muss aber für uns alle sicherstellen, dass der dringend notwendige Waldumbau nicht ins Stocken gerät und auch künftige Generationen stabile und gemischte Wälder vorfinden. Für eine lebenswerte Zukunft ist ein gesunder Wald im Erzgebirge unerlässlich – natürlich mit Rotwild, aber in einem verträglichen und auch für den Wald gesunden Maße.

Allen Behauptungen über die Größe der Rotwildpopulation im Erzgebirge fehlt es bislang an belastbaren, methodisch nachvollziehbar ermittelten wissenschaftlichen Fakten.

Für ein natürliches Gleichgewicht von Wild und Wald müssen Wälder in der Lage sein, sich natürlich und nachhaltig zu verjüngen. Diese Voraussetzung ist in mehreren Revieren von Sachsenforst bislang nicht gegeben. Die aktuelle Verbiss- und Schälschadenserhebung von Sachsenforst im Rahmen des Wildschadensmonitorings 2018 zeigt beispielsweise, dass sich die neu aufgetretenen Schälschäden im Bereich des Forstbezirkes Neudorf seit 2015 in etwa halbiert haben. Ursächlich ist dafür in erster Linie die Anpassung der Populationsgröße des Rotwildes in diesem Forstbezirk. Das Schadniveau liegt aber mit 4 Prozent Neuschäle immer noch deutlich oberhalb des tolerierbaren Bereichs, der einen gesunden Wald für zukünftige Generationen gewährleistet. Wenn jedes Jahr 4 Prozent der Bäume durch Rotwild geschält werden, sind nach 20 Jahren mehr als die Hälfte der Bäume dauerhaft geschädigt. Sachsenforst hält bei Schälschäden maximal 2 Prozent Neuschäle für vertretbar. Das ist mehr als in vielen anderen Bundesländern, wo bereits 1 Prozent als kritische Grenze betrachtet wird.

Im Bereich des Forstbezirkes Eibenstock sind andererseits seit vielen Jahren nur geringe Schälschäden zu beobachten, die sich konstant innerhalb des Toleranzbereiches bewegen. In Eibenstock wachsen seit 20 Jahren mehrheitlich gesunde Bäume, der Umbau des Waldes ist erfreulich weit vorangeschritten. Gleichzeitig werden in diesem Gebiet aber auch seit Jahren stabile Rotwildstrecken erzielt, zuletzt gar mit steigender Tendenz. Das Rotwild steht also auch in Eibenstock keinesfalls vor seiner Ausrottung. Im Gegenteil: Rotwild ist in Eibenstock dauerhaft präsent, was die seit Jahren stabilen Rotwildstrecken eindeutig belegen.

Rotwild ist eine Wildart mit einem großen Raumanspruch. Es hält sich nicht an Eigentums- oder politische Grenzen, wenn es durch das Erzgebirge zieht. Die Behauptung, Tierschutzverstöße liegen bereits vor, wenn in einem begrenzten Revier nicht mindestens so viele Rotwildkälber wie Alttiere erlegt werden, missachtet diese wildbiologische Tatsache.

Wählt man als territorial sinnvollere und jagdrechtlich festgelegte Bezugsebene die Jagdbezirke eines Forstbezirks – im Erzgebirge sind das dann zusammenhängende Flächen von mindestens 10.000 Hektar –, die dem Raumanspruch des Rotwildes eher gerecht wird, sind die Anschuldigungen haltlos. Es werden im Rahmen der Gruppenabschusspläne im Staatswald deutlich mehr Kälber geschossen als Alttiere. In den Forstbezirken Eibenstock und Neudorf wurden in den vergangenen zwei Jagdjahren beispielsweise über 1,5-mal bzw. 1,2-mal so viele Kälber wie Alttiere geschossen. Die Behauptungen der Deutschen Wildtier Stiftung über Verletzungen des Tierschutzes bei Sachsenforst stimmen also nicht.

Tierschutzrechtliche Vorschriften werden bei Sachsenforst strikt und umfassend eingehalten. Sicherheitsbelehrungen, Abschussfreigaben und Tierschutzvorgaben sind integrale Bestandteile der Jagdausübung bei Sachsenforst. Entsprechend werden die über eintausend Gastjäger eingewiesen, die im Staatswald gemeinsam mit den Forstbediensteten jagen.

 

Die rechtlichen Entscheidungen über die Jagdausübung im Staatswald werden von einer weisungsunabhängigen, personell und organisatorisch getrennten Stelle nach den gleichen Maßstäben getroffen, die auch für private Jäger gelten. Die Entscheidung erfolgt allein auf der Grundlage der jagdrechtlichen Vorschriften des Bundes und des Landes.

Die Überprüfung jagdrechtlich getroffener Entscheidungen im Staatswald hat eine gesicherte Grundlage, weil in der Verwaltungsjagd für jedes geschossene Tier ein körperlicher Nachweis geführt wird und der Umfang der Erhebung der Wildschäden, z. B. mit dem Wildschadensmonitoring und dem waldbaulichen Qualitätsmanagement, mit einem größeren Umfang erfolgt als in gemeinschaftlichen Jagdbezirken.

Auch Änderungsanträge zu Abschussplänen werden nach den Grundsätzen der Rechtsstaatlichkeit und den gleichen jagdrechtlichen Maßstäben behandelt wie die Abschussplanung als solche. Der Vorwurf, dass Entscheidung einfach »durchgewunken« werden, ist völlig unzutreffend, wie im jüngsten Fall ein Antrag des Forstbezirkes Eibenstock auf Erhöhung des Abschussplans zeigt, der durch die obere Jagdbehörde abgelehnt worden ist.

Natürlich bestehen gemeinsame Interessen. Beide Seiten wollen Wald und Wild, nur mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Beide Seiten wollen Rotwild erlegen – mit unterschiedlichen Zielen. Während im Staatswald in erster Linie das Erreichen an den Erzgebirgswald angepasster, gesunder Wildbestände im Vordergrund steht, um den Waldumbau erfolgreich durchführen zu können, geht es vielen Privatjägern – verständlicherweise – vorrangig um das Wild selbst. Eine vernünftige Zusammenarbeit braucht zunächst immer eine offene Kommunikation miteinander. Verbale Angriffe in öffentlichen Medien sind dafür leider nicht hilfreich.

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